Um es gleich vorweg zu nehmen, eigentlich überhaupt nichts! - Allerdings weilte der Papst zu seinem
historischen Besuch in London zur gleichen Zeit wie der dritte London City Orienteering Race stattfand.
Beim Wettkampf selbst wurde er zwar nicht gesehen - vielleicht weil er mit seinem Papamobil in der
offiziellen Rangliste nicht berücksichtigt worden wäre – am Abend nach dem Lauf zog er allerdings im
Hyde Park die Völkerschar auf sich, unter ihnen sicherlich auch einige wenige (verirrte) OLer wie ich.
Nun zum Lauf im Zentrum der Stadt, dessen Durchführung in Deutschland u. a. wegen Sicherheitsbedenken in
ähnlicher Umgebung voraussichtlich undenkbar wäre, leider. Bereits der Weg mit den öffentlichen
Verkehrsmitteln zum Wettkampfzentrum nahe der
London Bridge, war bei Sonnenschein und angenehmen Temperaturen ein erster Vorgeschmack auf eine lebhafte
Stadt. Von dort dann das erste Highlight, denn der Startplatz lag direkt hinter dem London Tower, wohin man
zunächst über die berühmte Tower Bridge geführt wurde – für mich als London-Neuling ein wahrer Genuss,
übrigens so sehr, dass ich letztlich mit Verspätung am Start eintraf. Aber kein Problem, völlig
unkompliziert erhielt ich eine neue Startzeit und konnte anschließend ohne Zeitverlust die Karte im Format
A3+ (Maßstab 1:5000) mit meiner Bahn in der M40+ (Herren ab 40 Jahre) zur Hand nehmen und ab ins Getümmel
laufen bzw. mich orientieren.
Immerhin konnte man vorab im Internet bereits die Karte der vergangenen zwei Jahre studieren, so dass man
sich auf einige Besonderheiten der Kartenzeichnung einstellen konnte. Dies galt insbesondere für die
Darstellung übereinander liegender Ebenen wie Brücken und Unterführungen, sowie deren jeweiliger Zugang
bspw. über Treppen. Allerdings hatte man in diesem Jahr auf das diesbzgl. schwierigste Areal, das Babican
Centre verzichtet, da die Bahnen erstmals südlich der Themse verlaufen sollten. Wer jedoch beim City-OL nur
eine einfache Sprint- oder Kurzstrecke erwartet, der wird hier von einer anspruchsvollen Langdistanz quer
durch die Stadt mit Laufzeiten von knapp einer Stunde überrascht. Dabei gilt es ähnlich dem City-OL in
Venedig, zu jeder Zeit hochkonzentriert die Karte mit dem städtischen Labyrinth in Einklang zu bringen.
Hinzu kommt erschwerend wie bereits erwähnt die zweite Ebene, und vor allem der Straßenverkehr, welcher noch
aus der „falschen“ Richtung kommt!
Mit kleineren Unsicherheiten gelingen die ersten Posten im Bankenviertel bis nahe der St. Paul’s Cathedral
mit wenigen Sekundenverlusten relativ gut, auch die jeweils gewählten Routen passen. Man glaubt es kaum,
viele Passagen sind autofrei oder für einen Samstagmittag zumindest überschaubar. Alles geht für solch eine
Metropole irgendwie gelassener und ruhiger zu. Genial dann die Routen entlang der Themse zu Posten 7 und
über die Southwalk Bridge zu Posten 12. Letztlich gelingt ein richtig guter Lauf bis zum vorletzten Posten,
selbst tricky Posten wie Nummer 4, 10, 15 und vor allem 19 machen nur bedingt Schwierigkeiten. Jetzt nur
noch um die Ecke zum 28. und damit letzten Posten, und dann direkt ins Ziel. Was für ein spektakuläres
Zielgelände inmitten des Bankenviertels neben der City Hall, direkt an der Themse mit tollem Blick zur Tower
Bridge. Doch wo ist der letzte Posten? – Offensichtlich bin ich so platt, dass ich weder meinen Fehler
(vom vorletzten Posten weg zu wenig um die Ecke gelaufen und damit die falsche Straße genommen) noch meinen
korrekten Standort auf der Karte nachvollziehen kann. Dann sehe ich vor mir schon das Ziel und laufe von
dort zum Schlussposten – nach mehr als einer Minute Zeitverlust, endlich! Jetzt nochmals alles geben und
zurück ins Ziel, jede Sekunde zählt. Und wieder bin ich irgendwie neben mir, denn wo ist plötzlich das Ziel?
Schließlich bemerke ich, dass ich die erste Treppe verpasst habe und erreiche schließlich nach einer
weiteren Minute Zeitverlust etwas enttäuscht das Ziel. Statt in meiner Altersklasse mit knapp 150
Teilnehmern letztlich in die Top10 zu laufen reicht es gerade noch für Rang 20!
Dennoch kann ich schon nach wenigen Minuten der Erholung, wie wohl alle 700 Teilnehmer, den tollen
Zielplatz neben der City Hall mit spektakulärem Blick über die Themse rüber zur Tower Bridge genießen.
Was für eine grandiose Veranstaltung, welch ein riesen Erlebnis!
Der Sonntagmorgen war dann einem durchaus anspruchsvollen Langdistanz-OL in einem wilden Stadtwald nördlich
der City in Hampstead Heath vorbehalten. Durch die Wettkämpfe und deren Anfahrt ergaben sich schon tolle
Möglichkeiten, London aus verschiedenen
Blickwinkeln zu erleben, was sich durch einem zusätzlichen Sightseeing-Tag bestens abrunden ließ.
Vielleicht im nächsten Jahr am 10. September wieder in London, sicherlich dann nicht als einziger Deutscher,
unseren Papst mal nicht mitgerechnet.
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