Französische Meisterschaftswoche
27. Oktober - 3. November 2012
von Marcus Schmidt

La semaine O’tomnale du 27 Octobre au 3 Novembre 2012 en Bretagne
Championnats de France de course d’Orientation Sprint et Nuit
Critérium National des Equipes (CNE)
Coupe Latine

Inmitten der französischen OL-Szene oder zuhause bei der Schwiegermutter!

Wie es der Zufall so wollte, konnten wir während der Herbstferien dem letzten nationalen OL-Höhepunkt der Franzosen mit weit über 1.000 Teilnehmern beiwohnen. Denn nach mehreren Wochen bei uns in Wiesloch, wollte meine Schwiegermutter Ende Oktober wieder nach Hause zurück in die Bretagne. Aber anstatt ihr lediglich am Bahnhof "Au Revoir" zu sagen, entschlossen wir uns kurzerhand sie mit dem Auto hinzufahren, um dort sogleich eine erholsame Urlaubswoche zu verbringen. Dabei staunten wir nicht schlecht, als wir wenige Tage vor der Abfahrt bei worldofo.com auf eine umfangreiche OL-Woche in der Bretagne stießen. Nun ist der Nordwestliche Zipfel Frankreichs nicht gerade klein, umso erstaunlicher zu sehen, dass wir in St. Aubin du Cormier wohnend, zu den Meisterschaftsläufen in der ersten Wochenhälfte jeweils nur wenige Minuten zu fahren hatten, beispielsweise zur Nachtmeisterschaft mit dem Fahrrad gerade mal 15 Minuten (vgl. Lageplan des Veranstalters). Dagegen war der Latine Cup in der zweiten Wochenhälfte, an der Südküste der Bretagne bei Lorient ausgetragen, dann leider doch zu weit entfernt, so dass wir es bei 5 tollen Läufen vor Ort belassen hatten. Übrigens, bei durchgehend außergewöhnlich spätsommerlichem Wetter, während zur Sprintentscheidung in Rennes gleichzeitig ein massiver Wintereinbruch in Deutschland zu beklagen war (vgl. das OL-Training in Stettfeld).


Es begann für uns am Samstagabend, dem 27.10. auf dem Campus in der Regionshauptstadt Rennes mit der französischen Sprintmeisterschaft, da die Qualifikationsläufe am Vormittag im nahegelegenen Parc des Gayeulles nur den Junioren und Eliteläufern vorbehalten waren. Was zunächst einen lockeren Sprint auf dem Campus erwarten ließ, zumal mir die alte Karte von einem Training vor Jahren als relativ einfach in Erinnerung blieb, entpuppte sich als tolle meisterschaftswürdige Strecke (vgl. Routegadget 'Circuit A' -> * Marcus Schmidt 0:24:01). Durch die Nutzung der teilweise vorhandenen zweiten Ebene mit Treppen und Stegen war die Elitebahn besonders tricky gestaltet – prima, dass diese im Nachgang ebenso der H35 angeboten wurde. Selbst nach dem Rennen war nicht jede Idealroute zweifelsfrei auszumachen, ganz zu schweigen von den gravierenden Zeitverlusten an einzelnen besonders aufmerksam anzulaufenden Posten (u. a. Nr. 2 und 13). Erschwerend machte sich dann zusätzlich die langsam hereinbrechende Dämmerung bemerkbar, die besonders die am Ende startenden Teilnehmer wie mich betraf, vor allem auch weil alle Startzeiten um 30 Minuten nach hinten verlegt wurden.

Gleich am nächsten Morgen sollte im mir wohlbekannten, nur wenige Kilometer entfernten Forêt de Haute Sève, in aller Frühe das Critérium National des Equipes (CNE) stattfinden, ein Staffellauf bestehend aus 7 Teilnehmern pro Team, ähnlich der finnischen Jukola. Mit dem Start um 6.00 Uhr galt es zumindest für die ersten beiden Läufer, mit leuchtstarken Stirnlampen ausgerüstet, ihre Strecken in der Dunkelheit zu bewältigen, während die restlichen fünf Strecken in der Morgensonne bis zum Nachmittag genossen werden konnten, wobei Vincent Coupat als Schlussläufer der Siegerstaffel aus Besançon bereits um 11 Uhr das Ziel erreichte. Nach anfänglichen Schwierigkeiten, eine Staffel zu finden, die zur Vervollständigung noch einen Läufer brauchte, hatte ich letztlich sogar die Möglichkeit, die kurze 6. Strecke mit 5 km Luftlinie und anschließend die lange Schlussstrecke mit knapp 9 km zu laufen. Schade nur, dass nach den ersten beiden schnellen Läufern (der junge französische Nationalläufer Thibaut Poupard wechselte auf den dritten Läufer von 76 Staffeln auf Rang zwei liegend!), die nachfolgenden drei Läufer für ihre jeweiligen Strecken so lange Zeit brauchten, dass ich erst kurz vor 12 Uhr in das abwechslungsreiche, sehr detaillierte, mit Steinen, Gräben und Schneisen durchsetzte Gelände durfte (vgl. Routegadget 'Circuit 30/50/30/50' -> ganz unten '* GPS -'). Dabei staunte ich nach 37 min bei der Rückkehr zur Wechselzone nicht schlecht, als ich keine Karte mehr für die 7. und letzte Strecke vorfand. Denn kurz nach 12 Uhr durften die bis zu diesem Zeitpunkt noch wartenden Läufer im sogenannten „Notstart“ in den Wald. Nach ein paar Fragen erhielt ich dann doch noch die Karte für die Schlussschleife, da die Zeit jedoch seit dem „Notstart“ unerbittlich weiterlief, war der erste Posten laut SI-Splitauswertung erst nach knapp 27 Minuten erreicht (vgl. Routegadget 'Circuit 30/50/30/50' -> ganz unten '* GPS Marcus Schmidt').

Am Montagmorgen dann ein technisch anspruchsvoller Stadtsprint durch die Parkanlagen und die engen Gassen der typisch bretonischen Altstadt von Fougères mit dem Schlussteil in der größten Wehranlagen Europas, die so gut erhalten ist, dass die letzten Posten u. a. auf der Burgmauer angelaufen werden konnten. Unglücklich war jedoch die Idealroute zum letzten Posten. Ein Turmdurchgang mit einem Treppenausgang in einer nicht sichtbaren Fensternische versteckt, war nur auf der nächsthöheren Ebene zu erreichen, was der Karte so leider nicht zweifelsfrei zu entnehmen war. Demgemäß konnte man viele Läufer innerhalb des Wehrturms beobachten, die wie auch ich, minutenlang erfolglos die Wendeltreppe auf und ab liefen, um dann den Weg außen herum zu nehmen. Ein Erlebnis war es, davon unbenommen, allemal!




 
 


Schließlich ging es am Abend des gleichen Tages mit dem Fahrrad, ausgerüstet mit einer einfachen Stirnlampe und vor allem mit mächtig viel Respekt zum Nacht-OL. In einem nahezu flachen, überwiegend offenen Gelände, durchzogen von einer Vielzahl markanter Rinnen und Wasserläufen, war Richtung halten, Entfernungen gut einschätzen und korrektes Wiedereinlesen in Postennähe der Schlüssel zum Erfolg. Schon auf dem Weg zum ersten Posten der H45-Bahn mit 6,5 km Luftlinie bestätigte sich diese Annahme (vgl. Routegadget 'Circuit D' ganz unten '* GPS Marcus Schmidt'). Denn die quer verlaufenden Wege und Schneisen waren mit dem relativ schwachen Licht kaum wahrnehmbar, wohl aber die umstehenden, mit Retroreflektoren (Katzenaugen) ausgestatteten Posten, von denen man sich beim Anleuchten aus der Entfernung allzu leicht ablenken und damit aus der Richtung bringen ließ. So misslang bereits der erste Posten und richtig problematisch wurde es schließlich am dritten Posten, wo die exakte Ortsbestimmung inmitten des Geländes kaum mehr möglich war. Immerhin wurde es danach trotz der schwierigen Posten 16 und 17 bis ins Ziel bedeutend besser, wenn da nicht der 11. Posten gefehlt hätte. Denn auf der 'sicheren' Weg-Umlaufroute hatte ich diesen auf der Karte einfach weggefaltet, so dass es mich direkt zu Posten 12 zog. Erst im Ziel, das in einer herrlichen Vollmondnacht nach knapp 80 Minuten erreicht war, wurde mir dieser Fehler beim Auslesen meiner Kontrolldaten bewusst – Viel Spaß hat es gleichwohl gemacht, zumal mit der Gewissheit, eine selbst bei Tageslicht anspruchsvolle Bahn gelaufen zu sein.

Noch in der gleichen Nacht oder zumindest am nächsten Morgen zogen die meisten Läufer weiter an die Südküste der Bretagne, an den Golf der Biskaya, wo wenige Stunden später der erste von weiteren fünf schönen Läufen rund um Lorient und Quimperlé auf sie wartete. Dagegen ließen wir die restlichen Tage nach der Halbzeit der 'herbstlichen O-Woche' (so die Übersetzung des Wortspiels 'la semaine O’tomnale', mit automnale = herbstlich), bei weiterhin sonnigem Wetter etwas ruhiger ausklingen.

Links:
Veranstalter-Homepage
einer von vielen Zeitungsberichten
Homepage Chateau Fougères
Routegadget Sprintmeisterschaft
Routegadget CNE
Routegadget Nacht-OL