Shamrock O-Ringen
4.-6. Juni 2011
von Marcus Schmidt

Alles, außer Wald

Obgleich der Cork Orienteering Club zur mittlerweile 17. Auflage seines 3 Tage OLs geladen hatte (erstmals 1989), waren es für mich gleich zwei Premieren, einerseits bei diesem landschaftlich außergewöhnlichen Wettkampf dabei zu sein und andererseits überhaupt erstmals in Irland zu laufen. Zuvor gelesene Berichte und gesehene Fotos versprachen tolle Gelände mit atemberaubenden Aussichten in überwiegend offener, aber rauer Hanglage, durchsetzt mit Sümpfen, einer Vielzahl von Konturdetails und vor allem Felsen jeglicher Größe. So gesehen wäre bereits der Name "Shamrock" Programm, doch steht dieser nicht für Steine oder gar Felsen, sondern für das inoffizielle Nationalsymbol Irlands, ein dreiblättriges Kleeblatt.

Mit 260 Läufern aus aller Welt (neben vielen Europäern mit 11 Deutschen, auch aus Australien, Neuseeland und den USA) war es dieses Mal an den drei herausfordernden Etappen wohl eher ein kleineres Teilnehmerfeld, dafür nicht minder auf hohem O-technischen Niveau organisiert. Umso schöner wenn die Sonne scheint, andernfalls kann Regen oder gar Nebel aufgrund der eingeschränkten Sicht zu ungeahnten Schwierigkeiten oder gar Gefahren führen, die sogar zu einem Wettkampfabbruch zwingen könnten – schon deshalb ist die Mitnahme einer Pfeife unbedingt Pflicht. Nach einem katastrophalen regenreichen Frühjahr bis Ende Mai wurde es gerade rechtzeitig, für irische Verhältnisse ungewöhnlich, über mehrere Tage durchgehend sonnig. Und damit ein unvergessliches Erlebnis hoch über dem "Sheep’s Head", eine kleine dünnbesiedelte, langgezogene Halbinsel im Südwesten Irlands.

Nach der Ankunft am Flughafen von Kerry durfte ich gleich unweit des Wettkampfgeländes in einem ähnlichen Gebiet erste OL-Eindrücke sammeln. Was allerdings auf der Karte "The Black Lakes" interessante Herausforderungen versprach, ließ mich im Gelände ungewohnt verzweifeln. Bei der Vielzahl der Geländedetails waren nur die herausragenden Felsen, Hügel, Senken, usw. auf der Karte eingezeichnet – doch welche waren dies, alles drum herum sah so ähnlich oder gar gleich aus, ohne Kontrollposten zum Einstieg nicht eindeutig zuordenbar. Selbst die vielen Sümpfe ließen sich nicht klar abgrenzen und die wenigen (überwachsenen) Bäche waren gar nicht zu sehen, erst wenn man fast hineingefallen war! – Mit reduziertem Selbstvertrauen und gehörigem Respekt nahm ich am Abend in Kenmare an einem Sprint-O teil, ausgetragen in einem idyllischen Parkwäldchen neben dem hiesigen Golfplatz. Aber wie Wochen zuvor im Finale der DBK-Sprint in Coburg, lief ich nach dem ersten Posten wiederum nicht zum zweiten Posten – die Nr. 21 zog mich trügerisch an, und bis ich es merkte waren in Summe 4 min verloren! – Wenn auch ein wenig konsterniert, so führte ich den Lauf anschließend dennoch mit Genuss zu Ende.

Am Folgetag dann die erste große Herausforderung auf der ersten Etappe, eine (verlängerte) Mitteldistanz mit 7 Leistungskilometern in wohl typischem Shamrock-Gelände. Und ich wurde keinesfalls enttäuscht. Im Gegenteil, in einem teils sehr steilen Hang mit ständigem Blick auf die irische Küste, wurden die technisch sehr anspruchsvollen Bahnen von einem überhöhten Start mäanderförmig quer zu den tiefen Gräben nach unten ins Ziel geführt. Besonders der Anfang mit dem langen Schlag vom ersten zum zweiten Posten war ein prägender Gradmesser. Nach dem misslungenen Vortag gelang mir jedoch insgesamt ein guter Lauf, der mit dem 5. Platz in H40 belohnt wurde (auf gleicher Strecke in H35 wäre es sogar Rang 3 gewesen!).

Am nächsten Tag dann die längste Strecke, eine Langdistanz mit gar 11 Leistungskilometer – hätte ich doch nur die kürzere, altersgerechte H45 gemeldet! Nach ordentlichem Start in wiederum grandioser Landschaft lief ich am dritten Posten knapp vorbei, so dass ich dort nach einer unnötigen Schleife bereits 3 min einbüßte. Danach lief es bei relativ hohem Tempo nahezu reibungslos, sicherlich begünstigt durch den ständigen Sichtkontakt zu einem H35-Läufer und ab dem 8. Posten zu einem weiteren H35-Läufer. Trotz dieser "beschleunigenden" Konstellation durfte man zu keiner Zeit den Kartenkontakt verlieren! Mit lediglich 7 min Rückstand auf den Tagessieger, nur 11 min langsamer als auf der deutlich kürzeren Strecke am Vortag, waren die Platzierungen mit Rang 5 in H40 (und theoretisch Rang 3 in H35) identisch. Zu erwähnen wäre zum Schluss noch der Zielleinlauf, den es nämlich gar nicht wirklich gab. Lediglich einen Zielposten mitten in der Prärie, der von unterschiedlichen, tlw. weit entfernten Schlussposten aus allen Richtungen mitten durch die Zuschauer anzulaufen war.

Die Ausgangslage an der letzten Etappe für den Jagdstart (der Schnellste in der Zeitaddition der beiden Etappen startet zuerst, gefolgt von den anderen mit dem entsprechenden Zeitabstand), mit über 10 Leistungskilometer erneut eine Langdistanz, hätte für mich somit richtig interessant werden können. Nach hinten "viel Luft", nach vorne so eng (mehrere Läufer innerhalb weniger Minuten), so dass eine bessere Gesamtplatzierung greifbar gewesen wäre. Da Ryanair jedoch die Abflugzeit vom Abend um 3 Stunden in den Nachmittag schob, hätte ich definitiv den Flug verpasst, wenn ich zu meiner regulären Startzeit ins Rennen gegangen wäre. So blieb mir nur den Veranstalter zu bitten, mich ausnahmsweise früher ins Gelände zu lassen, mit der Folge, dass ich in diesem urigen Felslabyrinth mit ca. 15 min deutlich vor dem allerersten Läufer startend, völlig alleine zu Recht kommen musste. Somit im Vergleich zum Vortag eine völlig andere Voraussetzung, die ich abgesehen von mehreren kleineren Unsicherheiten im Postenraum, letztlich sehr gut meistern konnte. Am 5. Gesamtrang änderte sich allerdings nichts mehr, insbesondere weil sich die vor mir startende Konkurrenz frühzeitig aufgelaufen und zu Höchstleistung angetrieben hatte.

Als Fazit bleibt letztlich einer der schönsten OL-Reisen in Erinnerung, bei schönstem Wetter in atemberaubender Landschaft und überschaubarer aber herzlicher Organisation (toll bspw. der zweite Abend mit "The Shamrock Session", ein Treff zu vielen Themen rund um den OL und zur Heimatkunde des Veranstaltungsortes). Gerne wieder, vielleicht schon im kommenden Jahr zu den "Irish 3 Day 2012" in Oughterard (Galway) vom 02.-04. Juni 2012, oder dann 2013, wenn Shamrock O-Ringen zu seiner 18. Auflage einlädt!

Karte der 1. Etappe
Karte der 2. Etappe
Karte der 3. Etappe
Shamrock O-Ringen Homepage (mit Links zu Ergebnissen, Routegadget, Bilder, usw.)